Definition einer Krise

„Krise“ ist in aller Munde – doch was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff Krise wird heute inflationär verwendet. Stromausfall, Cyberangriff, Personalmangel, Lieferengpässe oder eine pandemische Lage werden gleichermaßen als Krise bezeichnet. Was dabei oft fehlt, ist eine klare fachliche Einordnung.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) definiert eine Krise als ein Ereignis oder eine Entwicklung,
die grundlegende Funktionen einer Organisation oder Gesellschaft bedroht, mit den vorhandenen Routinen nicht mehr beherrschbar ist und Entscheidungen unter Zeitdruck und Unsicherheit erzwingt.

Zentral ist dabei nicht das einzelne Schadensereignis, sondern die Überforderung bestehender Strukturen. Eine Krise liegt nicht erst dann vor, wenn der Schaden maximal ist, sondern bereits dann, wenn gewohnte Abläufe versagen und improvisiert werden muss.

Gerade im Gesundheitswesen, in Pflegeeinrichtungen, Unternehmen und Behörden zeigt sich dieses Muster immer wieder:
Pläne existieren, Zuständigkeiten sind beschrieben – doch unter realen Bedingungen greifen sie nicht zuverlässig. Informationswege brechen ab, Entscheidungen verzögern sich, Verantwortung wird unklar.

Krisenmanagement setzt genau hier an.

Definition einer Krise

Zwischenfall - Notfall - Krise und Katastrophe

Die Unterscheidung zwischen Zwischenfall, Notfall, Krise und Katastrophe ist keine reine Definitionsfrage, sondern eine Frage des Entscheidungsbedarfs. Mit zunehmendem Ausmaß einer Lage steigen Dynamik, Unsicherheit und Komplexität – beschrieben durch Faktoren wie VUKA (Volatilität, Ungewissheit, Komplexität, Ambiguität), zeitliche Kritikalität, das Maß der Betroffenheit sowie die Notwendigkeit externer Kommunikation.

Das Schaubild zeigt genau diesen Zusammenhang: Während ein Zwischenfall oder Notfall meist mit bestehenden Strukturen beherrscht werden kann, verschiebt sich mit zunehmender Komplexität die Lage in den Bereich der Krise – hier wird die Einberufung eines Krisenstabes erforderlich. Entscheidend ist dabei nicht das Ereignis selbst, sondern die Kombination aus Lageentwicklung und Führungsbedarf. Wird diese Schwelle zu spät erkannt, entsteht ein strukturelles Defizit in der Lagebewältigung.

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RMA Risk Management & Rating Association e.V., Leitfaden zum Krisenmanagement ISO 22361, © 2024, Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin.
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Was ist Krisenmanagement?

Krisenmanagement bezeichnet die systematische Vorbereitung, Bewältigung und Nachbereitung außergewöhnlicher Lagen, die den normalen Betrieb einer Organisation überfordern oder gefährden.
Im Kern geht es nicht um Einzelereignisse, sondern um Störungen mit Kaskadenpotenzial: Personalausfälle, Informationsverluste, Entscheidungsblockaden, Ressourcenknappheit und Führungsunsicherheit.

Krisenmanagement setzt vor dem Ereignis an. Es schafft Strukturen, die auch dann funktionieren, wenn Routinen, Technik oder Personal versagen.

Führungsrhythmus

Ein funktionierendes Krisenmanagement steht und fällt mit einem klaren Führungsrhythmus. Dieser beschreibt den strukturierten, wiederkehrenden Ablauf der Stabsarbeit – unabhängig davon, ob es sich um eine medizinische Lage, einen IT-Ausfall oder ein komplexes Schadensereignis handelt. Ausgangspunkt ist immer die aktuelle Situation: Sie wird erfasst, bewertet und in ein gemeinsames Lagebild überführt. Darauf aufbauend erfolgt die Ausrichtung – also die Festlegung von Zielen und Prioritäten. Im nächsten Schritt werden Handlungsoptionen entwickelt, gegeneinander abgewogen und eine Entscheidung getroffen.

Diese Entscheidung wird in konkrete Maßnahmen übersetzt und umgesetzt. Anschließend folgt die Überprüfung der Wirkung: Was hat funktioniert, wo bestehen neue Probleme, wie hat sich die Lage verändert?

Dieser Erkenntnisgewinn fließt unmittelbar in die nächste Lagebewertung ein – der Zyklus beginnt von vorn. Entscheidend ist, dass dieser Ablauf konsequent eingehalten wird und alle Beteiligten wissen, in welcher Phase sie sich befinden. Nur so entsteht echte Führungsfähigkeit unter Zeitdruck, Unsicherheit und dynamischer Lageentwicklung.

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© Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Warum Krisenmanagement heute unverzichtbar ist​

Krisenmanagement ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Organisationsführung. Unabhängig von Größe oder Branche sind Organisationen heute durch komplexe Abhängigkeiten geprägt. Informationssysteme, Energieversorgung, Personal und externe Partner greifen ineinander.

Störungen führen schnell zu Kaskadeneffekten, die mit klassischen Notfallplänen nicht mehr beherrschbar sind.

Professionelles Krisenmanagement schafft hier die Grundlage, um unter Unsicherheit und Zeitdruck strukturiert entscheiden und handeln zu können.

Kleine Organisationen sind besonders anfällig durch fehlende Redundanzen, große Organisationen durch hohe Komplexität und Schnittstellenprobleme. In beiden Fällen entscheidet nicht das Ereignis, sondern die Fähigkeit zur Führung über den Ausgang. Entscheidend sind klare Rollen, ein funktionierender Führungsrhythmus, belastbare Lagebilder und standardisierte Entscheidungsprozesse.

Organisationen, die diese Strukturen etabliert haben, bleiben auch in dynamischen Lagen handlungsfähig, minimieren Schäden und stärken nachhaltig ihre Resilienz sowie das Vertrauen ihrer Stakeholder.

Kontakt

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Antwortzeit: i. d. R. 24 h (Mo–Fr)
Häufige Fragen

Frequently Asked Questions

Hier antworten wir auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Krisenmanagement.